In diesem ausführlichen Blogbeitrag erhalten Sie einen vollständigen Überblick über Soja, Sojamehl, Sojaschalen, Phytoöstrogene, den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO), alternative Proteinquellen und spezifische Fütterungspläne.
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Inhaltsverzeichnis
1 – Soja und Phytoöstrogene: Mythen und Fakten
Einführung
Seit vielen Jahren hält sich hartnäckig der Mythos, Soja wirke sich negativ auf den Hormonhaushalt von Pferden aus. Doch welche Vor- und Nachteile hat es wirklich? Dieser Artikel bietet Ihnen einen sachlichen Überblick über Phytoöstrogene in Soja und anderen Hülsenfrüchten – und erklärt, warum diese in der Praxis selten ein Problem im Pferdefutter darstellen.
Was sind Phytoöstrogene?
Phytoöstrogene sind natürliche Pflanzenstoffe, die in allen Hülsenfrüchten vorkommen – darunter Luzerne und Esparsette. Ihren Namen verdanken sie der Ähnlichkeit ihrer Molekularstruktur mit dem körpereigenen Östrogen von Tieren und Menschen. Die Bezeichnung entstand, bevor die genauen biologischen Funktionen, die Rezeptorverteilung im Körper und die Gesamtwirkung in lebenden Organismen bekannt waren.
Der Mythos der „Hormonstörung“
Die alten Behauptungen, Phytoöstrogene seien Hormonstörer, stammen hauptsächlich aus Laborexperimenten an Zellkulturen.
Bei solchen Experimenten können extrem hohe Dosen eingesetzt werden, die weit über dem liegen, was ein Pferd über das natürliche Futter aufnimmt. Gleichzeitig umgehen Zellversuche die vielen Regulationsmechanismen des Körpers: Verdauung, Darmflora, Leberfunktion, Blutspiegel und Rezeptorgleichgewicht im Gewebe.
Wo genau in der Sojabohne kommen sie vor?
Die Isoflavone (die wichtigste Gruppe der Phytoöstrogene in Soja) befinden sich vorwiegend im Keimling und in den Keimblättern – nicht in der Schale (Sojabohnenhülsen).
Der Gehalt variiert je nach Verarbeitungsmethode und erfordert zudem eine Fermentation im Darm, bevor die Stoffe tatsächlich freigesetzt werden.
Wie binden sie sich im Körper?
Ein Beispiel ist Genistein, das an Östrogenrezeptoren binden kann. Es hat eine höhere Affinität zu ERβ (z. B. im Knochengewebe) als zu ERα, aber die Bindung ist viel schwächer als die des körpereigenen Östrogens – etwa 1/400 der Bindung an den Alpha-Rezeptor.
Insgesamt haben Isoflavone eher eine modulierende als eine „östrogenstimulierende“ Wirkung.
Andere Quellen von Phytoöstrogenen
Alfalfa und Esparsette enthalten ebenfalls Phytoöstrogene, oft in höherer oder wirksamerer Form als Soja. Daher gibt es keinen Grund, Soja in diesem Zusammenhang als einzigartig oder besonders „problematisch“ zu bezeichnen.
Quellen:
- PMC – Genistein/ERβ-Selektivität
- aocs.onlinelibrary.wiley.com – Isoflavonverteilung in Sojabohnen
- scielo.br – Phytoöstrogengehalt in verschiedenen Fraktionen
2 – Sojaschrot: Die effektive Proteinquelle
Was ist Sojamehl?
Sojaschrot ist der Teil der Sojabohne, der nach der Ölgewinnung übrig bleibt. Es ist eine hochkonzentrierte Proteinquelle mit hoher Verdaulichkeit und einem günstigen Aminosäureprofil.
Typischer Gehalt in lösungsmittel-extrahiertem Sojamehl:
| Nährstoff | Inhalt pro 100 g (Trockenmasse) |
|---|---|
| Rohprotein | 45–48 g |
| Lysin | 2,7–3,2 g |
| Zucker | 9–11 g |
| Stärke | 2 g |
| Fett | 1–2 g |
| Verdaubare Energie | 1,5–1,6 MJ |
(Quellen: Mad Barn USA, Kentucky Equine Research)
Warum wird Sojaschrot in Pferdefutter verwendet?
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Hohe Verdaulichkeit: Etwa 90 % des Proteins werden verwertet, im Vergleich zu 50–60 % bei vielen pflanzlichen Proteinquellen.
-
Gutes Aminosäureprofil: Besonders hoher Lysingehalt, der häufig die limitierende Aminosäure im Pferdefutter darstellt.
-
Einfache Dosierung: Schon relativ kleine Mengen können einen hohen Proteinbedarf decken.
Sojaschrot für ältere Pferde
Ältere Pferde haben den gleichen Proteinbedarf wie jüngere – die Qualität spielt dabei jedoch eine noch wichtigere Rolle. Sojaschrot ist daher besonders für Senioren geeignet, da es leicht verdaulich ist und ein günstiges Aminosäureprofil aufweist.
-
Viele ältere Pferde verlieren im Winter leicht an Gewicht, und Sojamehl kann helfen, die Muskelmasse zu erhalten.
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Luzerne lässt sich vorteilhaft mit Sojaschrot kombinieren, um zusätzliche Ballaststoffe und Abwechslung zu bieten.
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Nur bei Pferden mit diagnostizierter Nierenerkrankung muss die Proteinzufuhr individuell angepasst werden. Bei proteinverlierenden Nierenerkrankungen ist der Bedarf hingegen oft erhöht.
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Ein gesundes, älteres Pferd gedeiht am besten mit hochwertigem Eiweiß anstatt mit weniger Eiweiß.
3 – Sojamehl und Gewichtsverlust: Warum es funktioniert
Protein schützt die Muskeln
Wird die Menge an Raufutter reduziert, um ein Kaloriendefizit zu erreichen, sinkt auch die Proteinzufuhr. Bekommt das Pferd zu wenig Protein, beginnt es, Muskelmasse abzubauen, um Aminosäuren zu gewinnen. Dies verlangsamt den Stoffwechsel und erhöht das Risiko einer schnellen Gewichtszunahme.
Die Vorteile einer ausreichenden Proteinzufuhr während der Gewichtsabnahme:
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Erhält die Muskelmasse
-
Hält den Stoffwechsel aktiv
-
Sorgt für ein besseres Sättigungsgefühl
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Unterstützt eine gesunde Darmflora
Übliche Dosierung zur Gewichtsreduktion (pro 100 kg Pferd):
100–150 g Sojaschrot täglich (Merck Veterinary Manual). Während der Kur kein Gras, Futtermenge entsprechend der Rohfaseranalyse und der Reaktion des Pferdes anpassen.
Alternativen zu Sojamehl:
Luzerne, grüne Pellets oder Esparsette können verwendet werden, allerdings wird etwa die dreifache Menge benötigt, um die gleiche Proteinmenge zu erreichen, und das Kalzium-Phosphor-Verhältnis muss ausgeglichen sein.
4 – Sojabohnenschalen: Die unterschätzte Ballaststoffquelle
Was sind Sojabohnenschalen?
Sojabohnenschalen sind die äußere Hülle der Sojabohne. Sie werden nicht wegen ihres Proteingehalts, sondern wegen ihres Gehalts an leicht fermentierbaren Ballaststoffen verwendet.
Vorteile von Sojabohnenschalen im Pferdefutter:
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Niedriger Zucker- und Stärkegehalt
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Sorgt durch Dickdarmfermentation für einen stetigen Energiefluss.
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Unterstützt ein stabiles Darmmilieu
Phytoöstrogene in Muschelschalen?
Sojabohnenschalen enthalten nur sehr wenige Isoflavone, da diese hauptsächlich im Keimling vorkommen. Daher sind die Schalen in der Diskussion um Phytoöstrogene irrelevant.
(Quellen: Kentucky Equine Research, Kentucky Performance Products)
5 – Gentechnik und Soja: Fakten und Einstellungen
Warum wurde Soja gentechnisch verändert angebaut?
Die erste gentechnisch veränderte Nutzpflanze war Soja, das so verändert wurde, dass es das Herbizid Glyphosat verträgt. Der Vorteil für die Landwirtschaft lag in der einfacheren Kultivierung, nicht in einem besseren Nährwert.
Besteht ein Gesundheitsrisiko?
Glyphosat wird mit gesundheitlichen Problemen beim Menschen in Verbindung gebracht – hauptsächlich durch berufsbedingte Exposition, nicht durch Lebensmittel/Futtermittel. Die EFSA kommt zu dem Schluss, dass die zulässigen Rückstandshöchstgehalte in Futtermitteln kein Risiko darstellen.
Unsere Wahl
Viele Menschen entscheiden sich nach wie vor für gentechnikfreie Produkte, insbesondere aus Umweltgründen. Die gesamte Produktion von Regulator Complete ist zertifiziert gentechnikfrei.
(Quelle: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit)
6 – Luzerne, Gründüngung und Esparsette: Mögliche Alternativen
Anforderungen an Proteingehalt und -menge
Luzerne, Grünfutterpellets und Esparsette enthalten typischerweise 16–20 % Rohprotein und sind daher weniger konzentriert als Sojaschrot. Für die gleiche Proteinmenge benötigt man etwa die dreifache Menge.
Wichtig zu beachten
-
Das Kalzium-Phosphor-Verhältnis muss stimmen, insbesondere bei jungen Pferden und trächtigen Stuten.
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Sie enthalten außerdem Phytoöstrogene – oft von einer anderen und stärkeren Art als Soja.
(Quelle: Kentucky Equine Research)
7 – Fütterungsplan mit Sojaschrot: Ein Beispiel
Beispiel: Wenn das Rohfutter nur 6 % Protein enthält
Ein ausgewachsenes Pferd benötigt bei leichter Arbeit etwa 150 g Rohprotein pro 100 kg Körpergewicht pro Tag .
Wenn das Rohfutter nur 6 % Rohprotein enthält, sieht die Berechnung wie folgt aus:
1. Was liefert die Ballaststoffnahrung?
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1,5 kg Trockenmasse (TM) × 6 % = 90 g Protein
2. Was fehlt dem Pferd?
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Benötigt: 150 g
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Schafe aus Raufutter: 90 g
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Mangel: 60 g Protein
3. Wie viel Sojamehl wird benötigt?
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Sojaschrot enthält etwa 47 % Protein
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Um 60 g zu erhalten, benötigt man ca. 125–130 g Sojaschrot pro 100 kg Pferd und Tag.
👉 Bitte teilen Sie es in 2 Mahlzeiten auf.
✅ Kurz gesagt:
Wenn Ihr Pferd nur Raufutter mit 6 % Protein erhält, benötigt es etwa 125–130 g Sojaschrot pro 100 kg Körpergewicht und Tag, um seinen Bedarf zu decken.
Beispiel aus „Lighter Saturday“ (zum Abnehmen)
(pro 100 kg Pferd, 2–14 Jahre – Senioren in Klammern)
Woche 1–4
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Kein Gras
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1,0 kg Heu/Wickel
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1,0 kg Sommergerstenstroh
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85 g Every Day Happy (100 g Senioren)
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90 g + Ballaststoffbrei
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10 g Salz
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10 ml RC O3 Algenöl (12 ml Senior)
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100–150 g Sojamehl
Von Woche 5 bis zum Normalgewicht
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Kein Gras
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1,0 kg Heu/Wickel
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1,0 kg Sommergerstenstroh
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65 g Every Day Happy (80 g Senioren)
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90 g + Ballaststoffbrei
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10 g Salz
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5 ml RC O3 Algenöl (6 ml Senior)
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100–150 g Sojamehl
Die Ration beträgt typischerweise 1,5–1,7 % des Körpergewichts pro Tag in Trockenmasse – entsprechend den gängigen Empfehlungen zur Gewichtsreduktion (Merck Veterinary Manual).


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